Die Story

Wie wird man Züchter?

Allein die Geschichte, wie ich erst überhaupt auf den Hund kam, ist in der Tat bewegend.

Alles begann, wie so oft, mit einem Wunsch.

Eines Tages zeigte sich, dass der Apfel echt nicht weit von Stamm fällt, denn mein eigener Sohn Mark, wurde, genau wie ich, zu einem Hundenarr.

Fünf lange Jahre nichts und dann auf einmal verlor er sein Herz an eine vierbeinige Sommerliebe namens Hera.

Mark begegnete der Hündin in unserem ersten Urlaub in den Bergen. Eine befreundete Familie besaß ein Kurhaus in Miedzygorze ( Zwischenberge) in den polnischen Sudeten,  wohin uns- meinen damals 5 -jährigen Sohn Mark und mich, meine Eltern eingeladen haben.

Mark war von der Gegend hellauf begeistert. Er, ein Großstadtkind, hatte plötzlich die Gelegenheit, so viel Natur zu erleben wie noch nie. Das war kein begrenzter Spielplatz mehr sondern Berge, Wiesen und Wald, sogar ein kleiner Teich war in der Nähe. Das Pensionat „Krokus“ stand etwas abseits, direkt an einer Alm, weit weg von den Strassen und der Ortschaft. Es war wirklich idyllisch dort. Und es gab noch etwas, was entscheidend war: Hunde.

Die Besitzer des Pensionats hatten drei Hunde: einen Rotweiler, der sein Dasein angekettet an einer Hundehütte fristen musste und zwei Wolfsmischlinge: Hera und ihren Sohn Claudius, der sein Namen der Tatsache verdankte, dass er lahm war- wie ein bekannter römischer Kaiser. Hera und Claudius waren Freigeister, die kommen und gehen durften, wie es ihnen gefiel. Sie liebten Kinder und schnell freundeten sie sich mit meinem Sohn an. Für Mark war diese Erfahrung eine Offenbarung. Bis dahin ist er nicht wirklich mit Tieren in Berührung gekommen- wir besaßen zwar ein Aquarium, aber Fische eignen sich bekanntlich nicht zum Streicheln. Als Mark die beiden Hunde kennengelernt hatte, konnte er das erste Mal im Leben erfahren, was die Zuneigung eines Tieres bedeutet.

Bald begleiteten uns die Hunde überall- und das aus freien Stücken. Sie kannten keine Leine sondern nur das Halsband, aber eine kurze Einladung genügte und schon hatten wir Gesellschaft auf allen unseren Wanderschaften durch das Gebirge. Mark war im siebten Himmel. Er entdeckte auch, wie viel Freude es machen kann, einen Hund zu füttern und brachte seinen Lieblingen oft etwas von den Mahlzeiten mit. Damit besiegelte er die Freundschaft zu Claudius und Hera- nach einer Woche waren er und die Hunde praktisch unzertrennlich.

Um so schwerer und trännenreicher fiel der Abschied aus. Mark war so traurig, dass wir ihm versprechen mussten, wieder zu kommen. Natürlich bestürmte er mich, die Beiden abzukaufen und nach Hause mitzunehmen, aber ich erklärte ihm, dass es unmöglich sei: Hera und Claudius waren an ihre unbegrenzten Weiten und ihre Berge gewöhnt- eingesperrt in einer kleinen Großstadtwohnung, hätten sie niemals glücklich sein können. Ich habe Mark erklärt, dass sie sogar vor Sehnsucht nach der Freiheit sterben könnten. Mein Sohn verstand schliesslich, dass er seine Lieblinge nicht aus dem gewohnten Umfeld herausreißen durfte.

Doch das Versprechen, das wir Mark gaben, haben wir gehalten: jedes Jahr kehrten wir nach Miedzygorze zurück und jedesmal wiederholte sich die Geschichte: es gab es ein bewegendes Wiedersehen und immer einen tränenreichen Abschied. Mark und Hera wurden mehr und mehr zu einer Einheit- vor allem danach, als es Claudius, der eines Winters draußen erfror,  nicht mehr gab.

Leider fand diese Sommerliebe kein gutes Ende- als ich kurz vor unserer alljährlichen Anreise im Krokus anrief, um mich nach Hera zu erkundigen, musste ich erfahren, dass die Hündin von Wilderern erschossen worden war.

Für meinen Sohn brach die Welt zusammen. Als er davon erfuhr, wurde er über Nacht krank. Er weinte viel und konnte sich gar nicht mehr beruhigen lassen. Immer wieder warf er mir vor, dass die Tragödie nicht passiert wäre, wenn wir, so wie er schon immer wollte, Hera zu sich geholt hätten. Wir mussten unsere Reservierung stornieren- seitdem war niemand von uns mehr nach Miedzygorze gefahren- die Erinnerung an Hera und ihr tragisches Ende hat uns doch zu sehr erschüttert. Selbst nach all den Jahren mag ich nicht daran denken.

Mark konnte die Geschichte mit Hera nicht vergessen. Immer wieder blätterte er die Fotoalben durch und war danach tagelang sehr sehr traurig. Schließlich wusste ich kein Rat mehr, als meinem Sohn zu versprechen, dass er seine eigene Hera haben würde- die „alte“ konnte ich ihm nicht zurück geben, aber ich habe gehofft, dass sein erster eigener Hund- bzw. ein Welpe, ihn über den Verlust trösten würde.

Um mein Versprechen einzulösen, musste ich aber zuerst unsere Wohnung hundegerecht werden lassen- das bedeutete eine Totalrenovierung, Abschied von Teppichen und Ausliegeware und langes, langes sparen.

Außerdem musste Mark auf die neue Situation gut vorbereitet werden. Ich wollte, dass er Verantwortung übernimmt, obwohl mir klar war, dass die Hauptbelastung an mir hängen bleiben würde. Wir liehen uns Bücher über Hunderassen und Hundeerziehung aus und machten unsere Pläne.

Mark wollte unbedingt einen Deutschen Schäferhund. Ich war strickt dagegen, obwohl das auch meine Lieblingsrasse war- Schäferhunde sind nichts für Kinder. Ich hatte nichts gegen einen reinrassigen Hund- wenigstens kauft man da nicht die sprichwörtliche Katze im Sack. Schnell wurde uns auch klar, dass wir doch lieber einen Welpen hätten, als einen erwachsenen Hund- ungeachtet der Belastung, die Welpenaufzucht mit sich bringt. Einen Hund von Anfang an zu haben, ihn richtig zu formen, zu erziehen, ihn mit uns groß werden zu lassen, und natürlich musste es eine Hündin werden und Hera heißen- zur Erinnerung an die „alte“ Hera – das war eine gute Entscheidung.

Nur die Rasse- diese Frage zu beantworten, fiel uns nicht einfach. Natürlich musste der Hund zu uns passen. Es dürfte kein kleiner Hund aber auch nicht ein zu großer werden- im Hinblick auf unsere 2-Zi.-Wohnung und die Großstadt in der wir lebten.

Die entscheidene Idee lieferte uns mein Lieblingscousin Martin, der zu dieser Zeit noch in Polen lebte. Seine Nachbarn hatten eine Labrador-Retriever Hündin.  Er fand sie ganz süß vom Wesen- nur äußerlich – da sagte er, es gibt da eine tolle Labrador-Rasse, die auch super schön ist: Golden Retriever.

Also machten wir uns mit der Rasse vertraut. Sehr schnell wurde uns klar, dass unsere Hera eine Golden-Retriever Hündin sein muss. Und natürlich musste sie- wie die „erste“ Hera aus Polen stammen.

Martin erklärte sich bereit, einen guten Züchter zu suchen. Wir hatten auch eine feste Vorstellung- eigentlich wollten wir, dass unsere Hera rostfarben, also dunkelgolden wird. Doch das erwies sich als schwierig. Schließlich fand Martin eine Züchterin, die die dunkle Linie züchtete und wir bestellten überglücklich eine Hündin vom nächsten Wurf: Hera sollte Marks Geburtstagsgeschenk werden.

Doch leider gab es ein Unglück und der Wurf verendete. Mark war untröstlich. Er wollte nicht länger warten. Doch einen neuen Züchter, der einen Herbstwurf liegen hat, war gar nicht so einfach zu finden. Martin schaffte es doch. Der Wurf war jedoch nicht dunkel sondern hell und wir hatten keine Zeit & Möglichkeit mehr, die Züchterin persönlich kennen zu lernen. Martin sagte jedoch, dass die Züchterin von dem kynologischen Bund in Breslau ( Wroclaw) empfohlen worden ist, als die beste Golden-Züchterin in Süd-Polen. Im November war der Abgabetermin.

Ich habe mit der Frau Urbanowicz telefoniert und ihr meine Lage geschildert. Sie sagte, sie hätte eine freie Hündin im Wurf. Nur eine, weil eine andere bereits bestellt worden ist und die beste wolle sie sowieso für die weitere Aufzucht behalten. Ich fragte sie, wo der Wurf mit ihrer Mutter liegen würde? Ich bekam als Antwort, dass sie selbstverständlich ihre Hündin bei sich zu Hause im Wohnzimmer hat, dass sie auf dem Land leben würde, mit viel Platz, viel Grün und die Tiere vollkommen gesund sind, sowohl die Welpen als auch die Eltern. So wurden wir uns einig.

Mark war überglücklich, als er an seinem Geburtstag am 1.Oktober- wir waren gerade im Urlaub auf Fuerteventura- seinen „Hundegutschein “ bekam. Hera war bereits zu diesem Zeitpunkt 9 Tage alt.

Genau am 23. November 2002 sind wir mit meinem Vater nach Polen gefahren um meinen Traumhund abzuholen.

 

 

 

So wie der Hund Ihnen einmal lieb und teuer wird…

 

Wir sind sehr glücklich mit Hera geworden. Sie hat schnell nicht nur unsere Herzen, aber auch die unserer Freunde und Bekannten erobert. Von nun an begleitete sie uns überall, genoß das rege Kommen und Gehen, dass es bei uns zu Hause gab und bald konnte sich niemand mehr so richtig vorstellen, dass es eine Zeit ohne unsere Hera gab.

Die Hündin war folgsam und lieb, verschmust, verspielt und neugierig. Allerdings hatte sie von Anfang an einen ziemlichen Dickschädel und es erforderte ein ganzes Stück Arbeit, sie richtig zu erziehen.

Das einzige, was ich teilweise bereut habe, war die Tatsache, dass Mark es nicht schaffte, Hera zu seinem eigenen Hund zu machen. Sie hatten bis sie von uns gegangen ist ,ein tolles, kamaradschaftliches Verhältnis, aber trotzdem wurde ich, und nicht mein Sohn, die wichtigste Bezugsperson für unsere Hündin. Vielleicht war das auch kein Wunder, wenn man meine ausgesprochene Zuneigung zu Hunden, meine Erfahrung und die Masse an Zeit, die ich mir für Hera genommen hatte, berücksichtigt.  Bis zulätzt gab es bestimmte Sachen in der Pflege und dem Umgang, die nur mir mit Hera vorbehalten waren. Die Hündin liese sich nur von mir die Ohren und Augen putzen, sich abtrocknen und oft wollte sie gar nicht aus dem Haus, wenn ich daheim bliebe. Sie ging einfach ungern ohne mich spazieren. Es war klar: Hera und ich gehörten einfach zusammen, und obwohl später vier andere wunderbare Tiere bei uns zu Hause lebten, sage nicht nur ich, aber viele meiner Freunde, dass Hera ein sehr besonderer Hund war, nicht nur wegen ihrer einmaligen Schönheit, aber vor allem, weil sie ein tolles Wesen hatte.

Eben weil Hera eine besondere Hündin war, spielte ich mit dem Gedanken, sie einmal Mutter werden zu lassen. Die Betonnung lag damals auf einmal, denn aufgrund meiner damaligen Wohnverhältnisse war es für mich nicht vorstellbar, tatsächlich mit dem Gedanken zu spielen, eine Hundezucht auf Dauer zu wagen.

Trotzdem… nach reichlicher Überlegung und Rücksprache, die ich mit Mark und unseren Freunden gehalten habe, entschloss ich mich, die Hündin einmal decken zu lassen. Da ich keine halben Sachen mag und um die Zukunft der Welpen besorgt war, habe ich gedacht, dass es am besten wäre tatsächlich einem Hundeverein beizutreten und alles so zu gestalten, dass die Nachkommen von Hera als reinrassig annerkannt und mit entsprechenden Dokumenten ausgestattet sein sollten, was ihnen helfen würde, ein tolles Zuhause zu finden.

So machte ich mich vorsichtig auf die Suche im Internet nach einem entsprechenden Verein. Da meine Hera einen internationallen Ahnenpaß besitzt, konnte ich mich praktisch an jeden Verein wenden.

Ich versuchte erstmal bei dem Retriever Club, aber schnell wurde mir klar, dass mir Vorgehensweisen und Menschlichkeit sehr wichtig sind- deshalb sah ich mich nach einem kleinerem Verein um, der mir sympatischer war.

So fand ich schließlich zu dem Norddeutschen Rassehunde Verein, wo Frau Ute Bonath Zuchtwärtin war. Die Gespräche, die ich dort führte, waren für mich auschlaggebend und ich wußte, dass ich und mein Hund in guten Händen waren. So tritt ich dem Verein bei und ließ meine Hera, nach allen vorgeschriebenen Untersuchungen im August 2004 zuchttauglich schreiben.

Hera sollte im Frühjahr 2005 Mutter werden. Im April 2005 bekam ich meine erste Züchterurkunde- ich habe mich für den Namen „von Sweet Amber“ entschieden, weil Goldies im Idealfall so schön bernsteinfarbend sind oder genau so schön ausschauen wie der flüssiger Honig. Die Süße des Wesens der Hunde, gepaart mit der Bernsteinfarbe ihres Haarkleides, ergab in meiner Lieblingssprache Englisch “ sweet Amber“.

Leider genau dort hört unsere Erfolgsgeschichte auf.  Hera wurde zwar 2005 gedeckt, aber der erhoffte Nachwuchs blieb aus. Der Rüde für den ich mich entschieden habe, war wunderschön- dunkel und hatte ausser einem einwandfreien Charakter auch viele Ausstellungserfolge. Er selber stammte der Zuchtstätte “ von Bernstein“ ab, die unseren Zuchtwärten gehörte. Der Rüde hatte noch keinen Nachwuchs, und leider , wie es sich später herausgestellt hatte, war er leider zeugungsunfähig.

Erst am 3. April 2007 bekam Hera ihren ersten Wurf. Mit knapp 5 Jahren war sie zwar nicht die jüngste, aber doch im besten Alter.Die tolle Erfahrung, die ich mit dem Wurf gemacht habe, hat mich verändert: Ich fand die Zeit mit den Kleinen so toll, dass in mir der Wunsch nach einer Wiederholung ganz stark wurde. Nicht zuletzt aus diesem Grund habe ich es nicht über das Herz gebracht, meinen Liebling aus diesem Wurf, die kleine Arielle, abzugeben- und das obwohl sie bereits bestellt war. Heute sind wir, sowie die Familie, die sich dann stattdessen den Aragorn ausgewählt hatte, mit dieser Entscheidung ganz glücklich.

Hera wurde aufgrund ihres Alters nicht noch einmal Mutter. Es ist zwar sehr schade, dass sie nur 6 direkte Nachkommen hatte, wo sie selbst so eine perfekte Hündin war, aber mir war es klar geworden, dass es so besser für sie war.

Trotz der Versicherung unserer beider Tierärzte,dass Hera wieder gesunde Welpen zu Welt bringen könnte, habe ich mich entschieden mit Hera nicht weiter zu züchten. Ich glaube nämlich, dass alles im Leben seinen Preis hat- und ich wollte nicht, dass Hera Jahre ihres Lebens einbüssen musste, nur weil ich Welpen haben will. Ich finde es zwar schade, dass es sich so entwickelt hat- aber so ist es eben. Man muss als Züchter auch Rückschläge verkraften können. Wenn ich heute noch einmal vor der Entscheidung stünde- hätte ich mich genau so entschieden.

Ich liebe meine Hunde und gehe mit ihnen verantwortungsbewußt um.  Ich möchte, dass sie mich durch das Leben so lange wie möglich begleiten und zwar als glückliche Familienmitglieder.

Genau das wünsche ich auch allen, die ihr Leben mit einem Hund teilen wollen: Eine Tier- Mensch-Freundschaft bis der Tod uns scheidet.